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Joan Didions “Democracy” (1984) ist wie ein literarischer Espresso: klein, aber stark, mit einem kräftigen Nachgeschmack, der zum Nachdenken anregt. Wer jedoch ein klassisches Handbuch zur politischen Theorie erwartet, wird überrascht – Didion liefert hier keinen trockenen Politikvortrag, sondern eine raffinierte Mischung aus Roman und politischem Kommentar, bei der sich alles um Macht, Einfluss und moralische Zerfallserscheinungen dreht.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Inez Victor, die Frau eines amerikanischen Senators, deren Leben sich in den Höhen und Tiefen der politischen Elite abspielt. Inez ist alles andere als die strahlende First Lady, die sich hinter ihrem Mann versteckt. Sie ist zynisch, klug und vielschichtig – und ihr Weg durch die bröckelnde Fassade der politischen Klasse ist der perfekte Spiegel für die allgemeine Desillusionierung, die Didion beschreibt. Mit ihrer gewohnt nüchternen, fast kühlen Prosa schafft es Didion, die Absurditäten und den moralischen Verfall der politischen Szene Amerikas in den 70er Jahren so messerscharf wie beiläufig zu sezieren.
Didion beschreibt Politik, als wäre es eine seltsame, ferne Galaxie, in der die Figuren kaum mehr als Marionetten in einem Spiel sind, das sie selbst längst nicht mehr verstehen. Voller Lakonie beschreibt sie die politische Realität. Zwischen aller Strategie und Intrige geht es aber auch um persönliche Verluste, Einsamkeit und die Frage, was in einem System zählt, das scheinbar nichts mehr bedeutet.
“Demokratie” ist kein Wohlfühlbuch, aber ein brillanter Blick auf die Machtspielchen hinter den Kulissen. Didion schafft es, komplexe Themen mit einer scharfen, fast schon kalten Ironie zu versehen. Wer Spaß an bissigen, durchdachten Analysen der politischen Bühne hat und sich nicht scheut, dabei in ein Netz aus Moralfragen, persönlichem Versagen und einem Hauch von Zynismus geworfen zu werden, wird dieses Buch lieben.
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